Linksakademismus aus der Schublade

28 Nov

 „Veröffentlichung ist lächerlich, verfehlter Zweck!“

(Thomas Bernhard)

Hausarbeiten“, heißt es in der Stu­dien- und Prüfungsordnung für den B.A. Philosophie, „sind schriftliche Darstellungen zu begrenzten The­men, die von den Studierenden ei­genständig ausgewählt und (in Ab­sprache mit einer Lehrperson und unter Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken) bearbeitet wer­den.“ Wie bei jeder anderen Prü­fungsleistung gelten dabei bestimmte inhaltliche und formale Bewer­tungskriterien. Ein „Merkblatt zum wissenschaftlichen Arbeiten“ aus der Europäischen Ethnologie und Kultur-wissenschaft gibt Auskunft: „Für manche mag das […] eine ent­täuschende Erkenntnis sein, aber im Rahmen einer Hausarbeit können keine weiter reichenden, wirklich ei­genständigen Forschungen durchge­führt werden. Es geht vor allem um das Erlernen der Techniken wissen­schaftlichen Arbeitens, insbesondere des Argumentierens, der Erarbeitung des Forschungsstandes, die korrekte, nachvollziehbare Referierung von Literatur und die Fähigkeit, umfang­reiche Inhalte auf das für die eigene Themenstellung Relevante zu redu­zieren“.

Bestimmungen dieser Art finden sich so oder ähnlich für jedes geistes- oder gesellschaftswissenschaftliche Hochschulseminar. Sie weisen präzise darauf hin, was Hausarbeiten ihrem Wesen nach sind: Etüden­stücke, bei denen es allein darum geht, die Formprinzipien einzupau­ken, vor denen sich jeder Titelaspi­rant der ‚Wissenschaftlichkeit‘ aus­zuweisen hat. Das Ergebnis ist nicht nur eine auffällige strukturelle und sprachliche Uniformität der jedes Semester so hunderttausendfach produzierten Texte, mehr: Vor kor­rekter Zitation, argumentativem Schematismus und dem elaborierten Gebrauch akademischer Phraseologie wird das, was eigentlich Gegenstand der Arbeit sein sollte, zum bloßen Exempel und zur zufälligen Größe. Dem Fetisch der Form entspricht eine Fetischisierung des Inhalts: Weil es im Grunde genommenvoll-kommen egal ist, was da steht, solange es den wissenschaftlichen Formgesetzen genügt, scheut nicht einmal der gewagteste Seminarist davor zurück, zu tausendsten Mal zu referieren, was Michel Foucault unter „Diskurs“, Gayatri Spivak unter „Othering“ oder Wolfgang Benz unter „Antisemitismus“ versteht. Diese Zirkularität ist kein Neben-produkt sondern die Aufwärmübung fürs wissenschaftliche Kerngschäft: In der mechanischen Repetition des Immergleichen reihen sich die Hausarbeiten problemlos in den gewaltigen Schreibbetrieb ein, in dem sich der akademische Apparat mittels Zeitschriftenartikel, Lexi­konbeiträgen und Sammelbänden unablässig selbst verdaut. Diese zähe Betriebsamkeit rückt zwar bisweilen die universitären Posten-, Mitarbeiter- und Hilfskrafthierarchi­en hin und her, entfaltet aber darüber hinaus keine gesellschaftliche Rele­vanz. Die Tonnen von Textschrott, mit denen Studenten und Jungakade­miker im Akkord den Stillstand des Geistes perpetuieren, kann und will kein Mensch freiwillig lesen. Folge­richtig landen sie in der Schublade.

Der objektiv vollendete Verblödungszusammenhang

Genau hier, an den Schubladen der Nachwuchsakademiker, setzt die Linke Fachschaft 03 an, hofft unge­ahnte Flieh- und Hebelgesetze zu entfalten und lädt ganz schaurig-fei­erlich zum zweitem Mal zu einem „Texte aus der Schublade Kongress“ ein. Sie frohlockt mit linksakademi­scher Reputation und möchte doch nur in wohlwollender Bescheidenheit „Gelegenheit“ bieten, um „kritische Seminararbeiten zu präsentieren und mit anderen Interessierten zu dis-kutieren.“ Nun ist gegen Kritik und Diskussion überhaupt nichts ein-zuwenden, denn es handelt sich um leider viel zu oft vernachlässigte Disziplinen, die in ihrem Wert gefal­len sind. Aber: Verstünden die Fach­schaftler, Referenten und vermutlich die meisten Interessierten allerdings etwas davon und verwechselten sie es nicht beharrlich mit akademischen Karrierismus, Wohlfühlen und „Awarness“, so wäre schon viel gewonnen.

Einst schrieben kluge Köpfe – wohl­gemerkt – Essays, Aphorismen und andere fragmentarische Formen, um der in sich objektiv widersprüch-lichen totalitären Gesellschaft Rechnung zu tragen. So konnte formangemessen der Gegenstand reflektiert und kritisiert werden, denn systematisch – wie noch bei Kant oder Hegel – konnte die Philosophie im Angesicht der Verzweiflung nach Auschwitz nicht mehr betrieben werden. Die Sprache dieser Reflexionsformen sollte nicht zu einem bloßen Mittel der Kommunikation degradiert werden, sondern sie sollte durch präzisen Ausdruck die Sache klar benennen. Inhalt und Form waren gleichrangig, Begriff und Sache durch Ausdruck vermittelt und man war nicht darauf aus, sie idealistisch zu trennen. Formvergessenheit ist nämlich, das wusste die Kritische Theorie ebenso wie Karl Kraus, Ausdruck der „positivistischen Denkmanier“, unter deren Bann die Geistes-wissenschaften durch die sture Reproduktion des Bestehenden gerieten. Es genügt also nicht das freigeistige Bestehen darauf, dass sich mittels Sprache etwas ändern werde – das war seit eh und je das Geschäft der Idealisten. Es ging auch nie darum, durch sprachliche Korrektheit und „schulmeisterliche Pedanterie“ (Adorno) zu beweisen, dass grammatikalische und ortho­grafische Regeln eingehalten werden. Der Kritischen Theorie ging es schon immer um mehr als diesen Formalismus, immer schon um mehr als bloß nur Inhalt, obgleich gegen „amateurhaftes Drauflosdenken und -schreiben“ , „versiertes Ge-schwätz“, „Prahlerei mit Bildung“, „Wortfetischismus“, und „Stehen-bleiben bei bloßen Teilerkennt-nissen“ polemisiert wurde. Dabei beabsichtigte das Schreiben nicht, durch „Edelsubstantive“ (Adorno) zu beweisen, dass ein Jargon politisch und akademisch korrekt angewandt wurde. Das Schreiben begriff sich nicht als akademische Pflichtübung, wenn edle Wörter wie „Othering“, „Konstruktion“, „Diskurs“ und ähnliches über die Produkte gestreut und zu einem Text zusammen-geflochten werden – das Schreiben war stattdessen Ausdruck geistiger Erfahrung. Als solcher war ihr klar: „Wissenschaftliche Approbation wird zum Ersatz der geistigen Reflexion des Tatsächlichen […] Der Panzer verdeckt die Wunde. Das verdinglichte Bewußtsein schaltet Wissenschaft als Apparatur zwischen sich selbst und die lebendige Erfahrung“ (Adorno). Von individueller Erfahrung und dem Leiden an der Gesellschaft können darum die Linksakademiker der Linken Fachschaft nicht sprechen. Sie können es nicht, da sie Kinder der streng positivistischen Wissen-schaftlichkeit sind und bestätigen, dass „Verdinglichung […]ein Vergessen“ ist (Adorno/Horkheimer).

Warenform und Denkform

Nun vollzieht sich bekanntlich an den Hochschulen – besonders in den vergangenen Jahren, gleichwohl schon seit mindestens hundert Jah­ren, als Geist und Geld identisch wurden, objektiv Gesellschaftliches. Das beschädigt die Akademiker von heute ungemein auf eine ganz be­sondere Art und die Referenten der Linken Fachschaft sind Sinnbild ins­besondere dieser allseits beobacht­baren narzisstischen Deformation der Akademiker. Für sie ist es nämlich unter den aktuellen Bedingungen des Kapitalverhältnisses nicht leichter geworden. Denn ihre geistige Ar-beitskraft als variables Kapital muss sich den Anforderungen des Marktes stets anpassen. Der Linksakademiker ahnt ganz besonders davon – ihm wird schließlich mehr abverlangt als ganz gewöhnlichen Akademikern. Darum steht er unter besonderem Konkurrenzdruck, die Plätze zum Unterkommen im Universitätsbetrieb sind schließlich rar und die im linksalternativ-ökofaschistisch-gen-dersensiblem Milieu nachgefragten soft-skills müssen hart antrainiert werden. Die stets angepasste Rebellion gegen das kritische Denken, ganz im Geiste der postmo- dernen Austreibung der Vernunft, vollzieht sich ganz avantgardistisch insbesondere im Linksakademismus. Die Zeiten, als noch von Hegel, Marx, Adorno und Freud etwas gehalten wurde, sind längst vorbei – vielleicht sogar zurecht. Wenn überhaupt je in Marburg, in dieser linken Provinz, davon etwas gehalten wurde, so war dies bloß das alternative Seminarprogramm für besonders engagierte Theorieinteres­sierte, die sich in der Seminaratmo­sphäre ihrerstudentischen Lesekreise im Selbststudium Fakten anhäuften und Theoriehäppchen mundgerecht zuführten, um noch dienlicher auf dem akademischen Theoriemarkt sein zu können.

Besonders gewitzte Charaktere die­sen Typs finden sich regelmäßig vor allem im Umfeld der „Linken Fach­schaft“. Hier bleibt man ordinär links, weiterhin stupide semi-akade­misch und pflegt zur Kritik ein in­strumentelles Verhältnis. Schließlich arbeitet man hier ganz studentisch schluderig und ahistorisch selbstsi­cher, also geflissentlich an der Ver­mittlung von Theorie und Praxis und verunstaltet damit die kritische Theorie zur akademisch angewand­ten Wissenschaft. Zur Kritik der geistigen Arbeit ist man hier selbst­verständlich nicht fähig, man betreibt Wissenschaftsfetisch, gleichwohl ganz unbegabt und nur im Mittelmaß. Man bleibt hier ganz unter seines Gleichen und lobt sich gegen­seitig auf ganz abgeschmackte Art als besonders links geläutert und schämt sich nicht einmal für seine Halbbildung. Zur Universität pflegt man darum eine ambivalente Hass­liebe. Einerseits grenzt man sich von ihr ab, nennt den eigenen Standes­dünkel ganz schamlos und größen­wahnsinnig „kritische Wissen-schaft“. Andererseits bewegt man sich aber stets im Dunstkreis der fütternden Hand und buhlt um Stellen als studentische Hilfskraft. Nirgendwo sonst manifestiert sich darum das objektive Zwangsgefüge spätkapitalistischer Gesellschaften und die damit einhergehende objek­tive Verblödung ihrer Insassen in der Universität im Allgemeinem und in der „Linken Fachschaft“ und ihrem Umfeld im Besonderem. Das tritt im Linksakademismus deshalb so deutlich zu Tage, weil ihre Protagonisten besonders bewegt sind und zugleich das Theoretisieren auf Mittelmaß zu ihrer Freizeit-beschäftigung erklärt haben. Hier ist also Kritik bloß eine Namenstafel – völlig inhaltsarm und form-vergessen. Hier wird Kritik bzw. die Kritik der Gesellschaft gerne im Mund geführt, um vermeintliche Kritikfähigkeit und nicht selten klandestine pseudointellektuelle Zugehörigkeit in einem zum Ausdruck zu bringen. Dabei bewegt man sich lediglich nur in den eigenen akademischen Kreisen und ist auf narzisstische Anerkennung aus, denn was sonst treibt in die Öffentlichkeit, gar auf das Podium eines Hausarbeiten-kongresses, wenn nicht der eigene Narzissmus und das Totalvertrauen in die eigene geistige Arbeitskraft. Darum glaubt man noch an die eigene Textproduktion, wie an die Magie der Sprache. Darum ist man von sich so überzeugt und betreibt darum ganz schamlos Selbstdarstellung. Zu allem Überdruss halluziniert man sich auch noch als Avantgarde einer Marburger Linken und gibt den Souffleur des akademischen Prekariats. Das Totalversagen, im Stande der geistigen Unfreiheit die Einheit von Theorie und Praxis aufzugeben und die begriffliche Nähe von Kritik und Krise zu reflektieren, ist hier inhärent. Genau darüber allerdings müsste man in solchen kritik-findlichen Zeiten genau nachdenken. Solang man sich allerdings von der eigenen akademischen Ohnmacht und Dummheit nicht lossagt; solang man sich der freiwilligen Selbstkon-trolle und der Selbstoptimierung, dem Diktat praktischer Verwend-barkeit freiwillig unterwirft; solang der „Habitus geistiger Unfreiheit“ (Adorno) masochistisch abgefeiert und nicht kritisiert wird; solange noch so getan wird, als käme es auf den Einzelnen und auf sein (akademisches) Geschwätz an; solange gilt eine ganz banale Weisheit revolutionärer Kritik: „Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen.“ (Karl Valentin)

Marburger Zustände und Einzelpersonen, November 2013

www.marburgerzustaende.wordpress.com

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Tayyip Erdoğan und die Seinen – Veranstaltungshinweis

27 Jun

Wir möchten auf folgende Veranstaltung hinweisen.

Donnerstag, 04. Juli 2013, 20 Uhr

Hörsaalgebäude, Biegenstr. 14, Raum +1/0120

 

Tayyip Erdoğan und die Seinen

Eine Einladung zu einer Diskussionsveranstaltung in sechs Thesen

EINS

Recep Tayyip Erdoğan und seine AK Parti (AKP) traten 2002 mit dem Versprechen an, eine umfassende Demokratisierung aller überalterten Strukturen vorzunehmen. Nach 10 Jahren kann resümiert werden, dass im Namen der Demokratisierung an die Stelle der alten laizistisch-kemalistischen Elite eine neue, die islamisch-kemalistische getreten ist, die Verhältnisse zu ihrem eigenen Vorteil geschaffen hat, die zur schleichenden Islamisierung der Gesellschaft beitragen.

ZWEI

Erdoğan agiert gegenwärtig in einem bislang nie dagewesenen Machtvakuum in der politischen Geschichte der Türkei. Das autoritäre Militär, welches stets als Hüter der laizistischen Verfassung galt – und das war auch das einzig sympathische an ihr – ist gegenwärtig weitestgehend entmachtet, ihre Generäle sind aus teils berechtigten, aber auch fadenscheinigen Gründen angeklagt und verurteilt. Kritische Journalisten sitzen teils ohne Anklage im Gefängnis und die Presse ist alles andere als frei. Republiktreue Verfassungsrichter sind entlassen oder aus Protest zurückgetreten. Es kann festgehalten werden, dass die laizistische Opposition außer Kraft gesetzt ist und deshalb zu fragen ist, ob und wenn ja, wer an ihre Stelle treten wird.

DREI

Ausgeschlossen werden kann, dass an diese Stelle die türkische Linke treten wird. Ein geradezu ozeanisches Gefühl erlebt sie zwar aktuell, ihre Sehnsucht nach dem Ausnahmezustand wird vollends befriedigt, gleichwohl kommt selbst für sie aber der landesweite Protest überraschend. Ihr Auftreten im linkskemalistischen Gestus des „Rettet das Vaterland“ ist mehr als peinlich und es ist grotesk, dass die türkische Linke sich als Hauptträgerin der aktuellen Proteste sehnlichst wünscht und diese Anmaßung von ihren deutschen Adepten auch noch geglaubt wird. Vielmehr zeigt sich, wie marode und marginalisiert ihre Wirkkraft ist. Geradezu reaktionär und kritikresistent ist ihre Programmatik, zeugen die seit eh und je mit den gleichen Parolen, Organisationsformen und Führerkult geführten Aktionen doch nur, wie vorgestrig die gesamte Linke ist. Von der türkischen Linken und vor allem ihren Intellektuellen, die der AKP näher stehen, als ihnen lieb ist und die Freiheit verraten haben, ist aktuell nichts zu erwarten. Müsste man die türkische Linke auf eine griffige Parole bringen, dann hieße diese: Scheitern als Programm.

VIER

Doch wer sind diese Menschen auf den Straßen dann?
„3 Bier statt 3 Kinder“ ist eine der vielen neuen Parolen dieser Tage und sie steht für den Drang nach Freiheit dieser jungen Menschen, die sich weitgehend weder von der autoritären AKP-Regierung, noch von der kemalistischen und nationalistischen Opposition vertreten fühlen und sich von diesen noch weniger vorschreiben lassen wollen, wie sie leben sollen. 90% der Protestierenden sind partei- und organisationsungebunden und fast 50% demonstrieren das erste Mal in ihrem Leben. Sie kommen weitestgehend aus einem mittelständischen, gebildeten und westlich orientierten Milieu. Dieses Aufbegehren zu einer echten „Volksbewegung“ gegen „Gentrifizierung“ oder „Neoliberalismus“ und für „Klassenkampf“ umzulügen, wie den wenigen Stellungnahmen der deutschen und deutsch-türkischen Linken zu entnehmen ist, zeugt von Einfalt und Klassenkampfromantik, die stets in Stellung gebracht werden, wenn jedes Konterfei und jede brennende Barrikade irgendwo in der Welt als „Revolution“ abgefeiert wird. Es geht aber um Freiheit, um nichts anderes und das treibt die Menschen auf die Straßen.

FÜNF

Die türkische Gesellschaft ist gespalten. Das war sie zwar vorher auch schon, trotz dessen ist es aber falsch zu behaupten, dass die Legitimität der AKP derzeit in Frage stünde und noch weniger stimmt es, dass sie erschlichen sei. Mit nahezu 50% der Wählerstimmen ist sie 2011 demokratisch gewählt worden und nicht nur deswegen, weil sie den Kampf gegen die alten Eliten anführt und dem Islam Respekt zollt, sondern weil sie einen neo-osmanischen, wirtschaftsliberalen Kurs vertritt, welches über eine breite Unterstützerbasis verfügt. Die AKP hat einen neuen islamischen Mittelstand geschaffen, der zu den Gewinnern des fragwürdigen wirtschaftlichen Aufschwungs gehört. Sie spricht die imperialen Sehnsüchte nicht nur der nationalistischen Türken an, gibt nicht nur den anatolischen Türken eine Stimme, sondern setzt sich, auch zur Erschließung neuer Wählerkreise, für den Frieden mit den Kurden ein. Alles deutet darauf hin, dass die AKP gestärkt aus den Protesten herausgehen wird, zu mehr Repressalien sich veranlasst fühlen wird und die Proteste, vielleicht wie angekündigt mit dem Militär, zerschlagen wird.

SECHS

Scheinbar sind nicht wenige Türken eher an Prosperität interessiert als an Freiheit und das wirft Fragen auf, die dringend beantwortet werden müssen. Geklärt werden muss, wie es um die Freiheit steht in einem Land, dass einst gegen die islamische Tradition antrat und den Westen zum Vorbild erklärte und nun unter Erdoğan, dem faschistischen Agitator, der gegen alte und neue Feinde der islamisch-kemalistischen Elite agitiert, immer offensichtlicher entgegengearbeitet wird. Anhand ausgewählter Reden Erdoğans soll dies näher aufgezeigt werden.

In der Sache: Mumia Abu-Jamal

6 Jan

PDF-Version: abu-jamal

Wie Mumia Abu-Jamal zum Lieblingsneger der globalen Linken aufstieg

Als in den vergangenen Monaten der Marburger „Antifaschistische Ratschlag“ zum Aktionstag „Städte gegen die Todesstrafe“, zur Filmvorführung der Dokumentation „In Prison my whole life, zu Infoständen, Vorträgen oder zu einem „Symposium gegen die Todesstrafe“ einlud, und dabei das Schicksal Mumia Abu-Jamals in den Mittelpunkt Ihrer Aufmerksamkeit stellte, da hat Sie über eine Sache nicht geredet: Den offenen Antisemitismus und Antiamerikanismus Mumia Abu-Jamals, und seiner Unterstützer. Eine Aufklärungsschrift wider die Verklärung.

Wer ist Mumia Abu-Jamal?

„[M]it der sturen Begeisterung für die Neger verträgt sich die Entrüstung über jüdische Unmanieren.“

(T.W. Adorno)

Seit nunmehr 30 Jahren gibt das Schicksal von Mumia Abu-Jamal Anlass für internationale Solidaritätsbekundungen. Trotz seiner erwiesenen Tatbeteiligung an einem Polizisten-Mord, behaupten seine Verteidiger beharrlich von seiner Unschuld. Abu-Jamal sei, qua schwarzer Hautfarbe, Opfer. So posaunt die Lüge voller Inbrunst stets aus den Pamphleten der Antirassisten. In den Worten des „Antifaschistischen Ratschlags“ klingt das so: Die Verurteilung sei „Ausdruck eines rassistischen und parteiischen Justizsystems“1, die Prozessführung weise „alle Indizien eines Schautribunals“ auf, und „der schwarze Todesmarsch“(!) sei „Rassen- und Klassenjustiz“. Ungeheuerlich ist hierbei nicht nur das geschichtsrelativierende Geschwätz von „Schautribunal“ und „Todesmarsch“. Sie erinnern nicht zufällig an stalinistischen und nationalsozialistischen Terror, und sollen die USA in dieser Tradition verorten. Grotesk ist vor allem die Behauptung, dass sich Polizei, Staat und Justiz bewusst gegen Abu-Jamal verschworen hätten, nur weil Abu-Jamal Schwarzer sei. Das antiamerikanische Ressentiment, das stets Bescheid weiß und sich reflektiert antirassistisch gibt, ist so lax in Stellung gebracht. Das Herz der globalen Linken schlägt schneller und härter. Dass der deutschen Linken umso gewaltiger, es geht schliesslich gegen den einstigen Befreier, den historischen Hauptfeind, also: Die USA.

Gewiss ist Mumia Abu Jamal zu wünschen, dass er von der Vollstreckung der Todesstrafe verschont bleibt. Umso erfreulicher, dass vor einiger Zeit das Todesurteil aufgehoben wurde. Doch wie kein anderer, einst zum Tode Verurteilter, genießt Abu-Jamal höchste Aufmerksamkeit, wie kein anderer Verurteilter gilt er als die Pop-Ikone des Protests gegen die Todesstrafe. Dabei ist Mumia Abu-Jamal nicht einmal ein „politischer Gefangener“, zu dem er liebend gerne erhoben wird. Er ist Täter, und hat ein Menschenleben auf dem Gewissen, und ist zudem Mitglied von MOVE2.

Wer tatsächlich glaubt, es ginge der Mumia-Solidarität um einen Kampf gegen die Todesstrafe, gar um eine faire Prozessführung, der irrt. Die Popularität seiner Person hat andere Gründe. Schon seit Anbeginn ist diese verlogene Solidarität mit Abu-Jamal untrennbar vom weltweiten Djihad gegen die USA, und insbesondere Israel verbunden. Die berechtigten Argumente gegen die Vollstreckung der Todesstrafe kaschieren lediglich die antiamerikanische und antisemitische Gesinnung dahinter. Gerade deswegen ist Mumia Abu-Jamal zum Lieblingsneger der globalen Linken aufgestiegen. Seine schwarze Hautfarbe ist zum Alibi verkommen, um hemmungsloser und unverdächtiger gegen Juden hetzen zu können. Gegen den kleinen (Israel), und großen Satan (USA) ist der internationalen Linken im Allgemeinen, und der deutschen im Besonderen eben alles recht. Und wenn ein Neger so was wie der heimliche Vorturner der globalen Linken ist, und auch noch aus dem Gefängnis schreibt, dann beklatschen ihn Linke aus aller Herren Länder für diese ehrenvollen Taten. Im Folgenden sollen ausgewählte Zitate aus Kolumnen3 Abu-Jamals die politische Haltung wiedergeben, insbesondere den Antisemitismus und Antiamerikanismus hervorheben.

Antikapitalismus und struktureller Antisemitismus

Das „internationale Finanzkapital hat“, so Abu-Jamal, „die ganze Welt an den Rand der Katastrophe geführt. (…) Die Nachfahren von Achilleus und Odysseus beugen sich der Macht der Banken“ (junge welt, 19./20.11.11). Die Occupy Wall Street-Bewegung lobt Abu-Jamal in höchsten Tönen, spricht ihr zu eine Bewegung „gegen die Habgier des Kapitals“ (junge welt, 12./13.11.11) zu sein. Die Medien und Politiker versuchten dagegen „wie Vampire, die Proteste gegen die Wall Street auszusaugen(!)“ (junge welt, 15./16.10.11). In seiner Kolumne vom 22.11.08 wird Abu-Jamal in seinem platten und hemmungslosen Antikapitalismus deutlicher: „Seit der Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) konnte der US-Dollar rund um die Welt ungehindert seine Herrschaft ausbauen und verheerende Verwüstungen anrichten. (…) Nun sind die Geier des Kapitals zurückgekehrt und machen sich über den Leib jener Gesellschaften her, von denen aus sie in alle Welt geschickt wurden. Sie werden sich solange am Fleisch dieses Leibes sattfressen (!), bis nur noch die Knochen übrig sind. Das ist die Realität des entfesselten Kapitalismus.“ (Hervorhebung durch Marburger Zustände)

Der Antisemitismus, der aus diesen Zeilen spricht, kann offensichtlicher nicht sein. Zentral für den modernen Antisemitismus nämlich ist die „Personifizierung des real Abstrakten“ (Gerhard Scheit). Real abstrakte politökonomische Verhältnisse werden, ohne auch nur ein Wort über konkrete Juden fallen zu lassen, personifiziert. Es wird nach Schuldigen gesucht und historisch konzentrierte sich solch ein Vorgehen auf Juden.

Moishe Postone schreibt dazu: „Der moderne Antisemitismus besteht in der Biologisierung des Kapitalismus – der selbst nur unter der Form des erscheinenden Abstrakten verstanden wird – als internationales Judentum. Meiner Deutung nach wurden die Juden also nicht nur mit dem Geld, das heißt der Zirkulationssphäre, sondern mit dem Kapitalismus überhaupt gleichgesetzt. Diese fetischisierende Anschauung schloß in ihrem Verständnis des Kapitalismus alle konkreten Aspekte wie Industrie und Technologie aus. Der Kapitalismus erschien nur noch als das Abstrakte, das wiederum für die ganze Reihe konkreter gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen, die mit der schnellen Industrialisierung verbunden sind, verantwortlich gemacht wurde. Die Juden wurden nicht bloß als Repräsentanten des Kapitals angesehen (in diesem Fall wären die antisemitischen Angriffe wesentlich klassenspezifischer gewesen), sie wurden vielmehr zu Personifikationen der unfaßbaren, zerstörerischen, unendlich mächtigen, internationalen Herrschaft des Kapitals. Bestimmte Formen kapitalistischer Unzufriedenheit richteten sich gegen die in Erscheinung tretende abstrakte Dimension des Kapitals in Gestalt des Juden, und zwar nicht etwa, weil die Juden bewußt mit der Wertdimension identifiziert worden waren, sondern vielmehr deshalb, weil durch den Gegensatz seiner konkreten und abstrakten Dimensionen der Kapitalismus selbst so erscheinen konnte. Deshalb geriet die ‚antikapitalistische‘ Revolte zur Revolte gegen die Juden. Die Überwindung des Kapitalismus und seiner negativen Auswirkungen wurde mit der Überwindung der Juden gleichgesetzt.“4

Das antikapitalistische Geschwätz Abu-Jamals bedient sich bestimmter Bilder, die aus der Geschichte des Antisemitismus hinlänglich bekannt sind. So wurden bereits im Nationalsozialismus Tiervergleiche benutzt, um Juden als dämonisch, gierig oder ähnlich böse zu charakterisieren. Ob „Judensau“, „jüdischer Aasgeier“, „jüdischer Parasit“ oder „jüdische Ratte“: Sie schädigten den gesunden Volkskörper, hieß es stets. Die sogenannte Heuschreckendebatte im Jahr 2005, ausgelöst durch Karikaturen in einer Zeitschrift der IG-Metall, oder die obligatorischen Hasstiraden seit der jüngsten Finanzkrise gegen Banker und Manager, die besonders gierig sein sollen, schliesslich im Falle Abu-Jamals das Gerede von „Geier des Kapitals“ offenbaren: Sie alle bedienen sich einer antikapitalistischen Rhetorik, die stets nach Verantwortlichen für die strukturellen Krisen des Kapitals sucht, etwa wenn über die angebliche „Macht der Banken“ hergezogen wird, oder gegen die „Geier des Kapitals“ gehetzt wird, die sich über den Leib der Gesellschaften hermachen würden, und sich satt fressen. Mit solch einer Rhetorik wird ein struktureller Antisemitismus reproduziert, der mitnichten nur eine „unangemessene“, „verkürzte“ Kritik darstellt, der nur aufs richtige Maß verlängert werden muss, nein, hier agitiert eine gegen die Zirkulationssphäre gerichtete ressentimentgeladene Pseudokritik, welche stets weiß, wer die Schuldigen sind: Die Banker, die Manager oder eben die Juden.

Eine Kritik des Kapitals kann aber nur dann als vernünftig bezeichnet werden, wenn sie sich stets darüber bewusst ist, dass abstrakte Herrschaft sich von konkreter Herrschaft unterscheidet; eine über den Wert vergesellschaftete Gesellschaft nur dann vernünftig kritisiert wird, wenn die Kritik über die Totalität der gesellschaftlichen Synthesis, der „Selbstverwertung des Werts“ (K. Marx) bewusst ist und die Kritik sowohl die Produktions- als auch die Zirkulationssphäre als „Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion“ (K. Marx) miteinschließt und diese „ganze ökonomische Scheiße“ (K. Marx) abzuschaffen gedenkt. Ein strukturell antisemitischer Antikapitalismus, der wie einst die Nationalsozialisten gegen das Finanzkapital wettert, und damit eine Trennung in schaffendes und raffendes Kapital aufmacht, steht der Kritik der politischen Ökonomie, wie sie Marx formuliert hat, diametral entgegen und gehört entschiedenst kritisiert.

Israel is the root of the problem“ (Abu-Jamal)5

Über die Bemühungen des Ministerpräsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas, im September 2011 vor der UNO einseitig einen palästinensischen Staat auszurufen, berichtet Abu-Jamal wie folgt: „Nach einem halben Jahrhundert israelischer Besatzung und Siedlungspolitik sind von Palästina nur noch relativ kleine und zusammenhanglose Bruchstücke (!) übriggeblieben. Viele Bewohner sind geflohen, zahlreiche wurden getötet, den Menschen wurden Land und Wasser geraubt. Das Restterritorium (!) Palästinas ist heute kaum mehr als ein von einer hohen Mauer umgebenes Freiluft-Gefängnis. Die Bevölkerung ist darin eingesperrt, und weder die USA noch die Vereinten Nationen lassen irgendwelche Absichten erkennen, deren Not zu lindern.“ (junge welt, 24./25.09.11)

Wenn Abu-Jamal von „israelischer Besatzung“ schwadroniert, und sich darüber beklagt, dass „Bruchstücke“ übergeblieben wären, dann ist damit die Empörung über die angebliche Besatzung Palästinas in den Grenzen vor 1948 zu verstehen. Darauf weist sein Gerede vom übrig gebliebenem „Restterritorium Palästinas“ hin. Denn was soll mit Palästina schon gemeint sein, wenn nicht das historische, in den Grenzen vor 1948?

Blut- und Bodenideologie ist Abu-Jamal ebenso nicht fremd. So schreibt er über die Palästinenser:

„Die Palästinenser sind ein schönes, tapferes, angriffslustiges und zugleich umzingeltes Volk (…), das in die sandige Erde seiner palästinensischen Heimat gestampft wird“(junge welt, 04.05.02).

Die Hamas betrachtet er ganz anti-imperialistisch und anti-kolonial, und schreibt: „Für die Einwohner eines von fremden Mächten besetzten Landes kann es allerdings kein »gutes« Besatzungsregime geben. Ein solches Regime erzeugt völlig unabhängig von der Propaganda, die es legitimieren soll, unweigerlich einen nationalen Widerstand gegen die fremden Eindringlinge, wer immer sie auch sein mögen“ (junge welt, 30./31.10.09).

Über Israel schreibt Abu-Jamal stets abschätzig. Israel führe ein „Blitzkrieg in Palestine“6, Israel sei „Pitbull des US-Imperiums“ (Junge Welt, 27./28.03.10), „paranoid“ (junge welt, 19./20.06.10), „ein bis an die Zähne bewaffneter Goliath“, eine „Hyäne“ (junge welt, 24.11.12), ein “Wachhund“ (junge welt, 08.12.12). Es läuft auf eine Formel hinaus, die im Wortlaut ebenso von Hezbollah Chef Sayyed Hassan Nasrallah geäußert wurde: „Israel is the root of the problem“.7

Iran – Lieblings-Bastion des Anti-Imperialismus

Gegen den Iran liefe „mediale Kriegsvorbereitung“: „Wenn wir uns vor Augen halten, wie die Medien in der Vergangenheit ihre Fehlinformationen völlig folgen- und straflos verbreiten konnten, ist es nicht undenkbar, daß sie uns in ein paar Monaten wieder einen Krieg »verkaufen« – diesmal gegen Iran.“ (junge welt, 2./3.10.10) – Merkwürdig, dass der Krieg gegen Iran bislang ausblieb, Israel und seine Verbündeten alles versuchen, um einen solchen Krieg zu verhindern. Das passt Abu-Jamal natürlich nicht, und er wettert weiter: „Im Kontext der Welle von Rebellionen in islamischen Ländern haben viele der Herrscher, die jetzt bereits abgesetzt sind oder deren Macht wankt, insgeheim die USA gebeten, die Islamische Republik Iran anzugreifen. Das zeigt, daß diese Herrscher nicht im Namen ihrer Völker sprachen, sondern nur im Namen einer kleinen parasitären Herrscherclique“ (junge welt, 19./20.03.11).

Gegen ein Iran mit Atomwaffen hat Abu-Jamal nichts einzuwenden. Er schreibt:„Wenn Iran heute ebenfalls daran interessiert ist, dann deshalb, weil das Land allen Grund dazu hat, nachdem es zusehen mußte, wie die US-Armee gewaltsam über seinen unmittelbaren Nachbarn Irak hergefallen ist. Warum wird es stillschweigend geduldet, daß Israel Hunderte atomarer Sprengköpfe besitzt, während man Iran nicht einmal ein einziges Atomkraftwerk zubilligt? Welches Land in dieser Region ist denn eher dafür bekannt, seine Nachbarn anzugreifen und Kriege gegen sie zu führen – Iran oder Israel?“ (junge welt, 17./18.3.12) Das bedarf keiner weiteren Kommentierung, schließlich muss ja der Iran sich vor „US-amerikanischen, israelischen oder westlichen Aggressionen“ schützen (junge welt, 19./20.03.11)..

Kurz vor Schluss – Bankrotterklärung des Marburger Antifaschismus

Nach solchen Erkenntnissen über Mumia Abu-Jamal ist es mehr als erschreckend, wenn die Gruppe „Antifaschistischer Ratschlag“ in ihrer Selbstdarstellung schreibt:

„Aufgeschreckt durch die jüngere Entwicklung im Falle des aufgrund eines fragwürdigen Verfahrens zum Tode verurteilten afroamerikanischen Journalisten Mumia Abu- Jamal, haben sich Ende 2010 einige wenige ehemalige und neue dazu gekommene Mitglieder des Antifaschistischen Ratschlags dazu entschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen.“8

Dass einer selbsternannten antifaschistischen Gruppe ausgerechnet zum weltweiten Aktionstag

Städte gegen die Todesstrafe Städte für das Leben“ am 30. November9 nichts besseres einfällt als auf den Antisemiten Mumia Abu-Jamal hinzuweisen und ihn als „Erweckungserlebnis“ für die eigene Gruppe zu entdecken, ist mehr als dämlich und eine Bankrotterklärung des Marburger Antifaschismus. Anbetracht der Tatsache, dass weltweit Hunderte Menschen jährlich, wie beispielsweise im Iran aufgrund von Homosexualität oder politischen Widerstandes, umgebracht werden, ist es eine Farce so einer Gestalt wie Mumia Abu-Jamal auch nur eine Träne hinterzuweinen. Zu hoffen bleibt, dass der „Antifaschistische Ratschlag“, so „entschlossen“ sie die Arbeit aufnahm, die Arbeit schleunigst niederlegt, solange nicht die zutiefst antifaschistische Einsicht die Grundlage der politischen Arbeit bildet, nämlich: Dass eine Solidarität mit Antisemiten für Antifaschisten sich nicht schickt und äußerst töricht ist.

Marburg, im Dezember 2012

Fußnoten:

1 Zitiert aus: Antifa Ratschlag: „Freiheit und Gerechtigkeit für Mumia Abu-Jamal“. Alle weiteren, nicht gesondert gekennzeichneten, Zitate stammen aus dieser Verteidigungsschrift:, das hier einsehbar ist: http://antifaratschlag.blogsport.de/images/FlyerMumianeuneu.pdf

2 Mehr dazu: https://gaywest.wordpress.com/2011/12/08/eine-andere-frisur-ist-moglich/

3 Mumia Abu-Jamal schreibt seit dem Jahr 2000 wöchentlich in der Wochenendausgabe der Tageszeitung „junge welt“. Viele seiner Kolumnen, aus denen im Folgenden zitiert wird, finden sich auf: http://www.freedom- now.de/news/index.html?cat=1

4 http://www.antisemitismus.net/theorie/postone.htm

5 http://www.youtube.com/watch?v=HvDZ6ib_MH8

6 http://www.workers.org/ww/2002/mumia0502.php

7 http://www.yalibnan.com/2011/02/16/nasrallah-israel-is-the-root-of-the-problem-in-the-middle-east/

8 http://antifaratschlag.blogsport.de/ueber-uns/

9 Am 30. November 1786 hat das Großherzogtum Toskana als erster Staat der Welt die Todesstrafe und Folter abgeschafft. (Quelle: wikipedia)

Arglistige Täuschung nach Marburger Art

15 Dez

Gruppennamen verraten viel über ihre Insassen. Die je spezifische Pathogenese einer jeden Ansammlung von Menschen, die kollektiv ihre je spezifische Individualpsychopathologie kaschieren, ist ihr abzulesen. Die Marburger Gruppe Lisa:2, die für das Grobe zu fein, für das Erhabene zu studentisch, für das Diffizile zu beschränkt, für das Praktische zu einfältig und für die Kritik der deutschen Zustände zu betont sachlich auf der politischen Bühne Marburgs vegetiert, braucht, um sich ihrer Radikalität gelegentlich besonders aufmüpfig zu vergewissern ganz besondere Rituale und sei es auch nur eine „nicht-angemeldete Demonstration“. So darf es nicht verwundern, dass diese Gruppe nicht etwa deshalb Lisa:2 heißt, weil eine bewundernswert kluge weibliche Figur der Kulturindustrie auf den Namen Lisa Simpsons hört, nein, die Lisa:2 ahmt liebend gerne harte Männer und mächtige Frauen nach, die in manchmal grünen oder blauen Uniformen für Recht und Ordnung sorgen, und in Marburg auf den Funkspruch „Lisa 1“ hören. Das ist die einfache Geschichte einer Marburger Gruppe, die sich gekonnt „linksradikal“, gar „feministisch“, „lautstark und kämpferisch“ am 24. November in Szene setzte, als sie peinlichst unter dem Niveau der Kritik von „patriarchaler Ideologie“ und „Mitte der Gesellschaft“ schwadronierte und juvenil „the struggel begins – Gegen Staat, Nation, Kapital und Patriarchat“ (Rechtschreibung im Original) die alte Leier untalentierter linker Burschen und Mädel verkündete.

Burschen – wer mag sie schon?

Während in den Häusern der Burschenschaften zurückgezogen die Stiefel gewichst und die rechte Traditionpflege im Privaten zelebriert wird, Burschenschaften seit Jahren über schwindende Mitgliedschaften beklagen und verkrampft zu niedrigen Preisen leerstehende Zimmer zu vermieten versuchen, schenkt die Marburger Linke solch erbärmlichen Gestalten besondere Aufmerksamkeit und schreibt ihnen größere Bedeutung zu als sie tatsächlich haben.Diese Aufmerksamkeit für Burschenschafter hat in Marburg einen irrationalen Überschuss, die Marburger Linke wühlt gerne im Dreck der Burschen, um vom eigenen Dreck abzulenken. Während Burschenschaften gewiss alles andere als inhaltsleer sind – immerhin rekrutiert sich hier eine kleine rechte Elite – und eine Kritik an Burschenschaften durchaus begründet ist, ist sich die Marburger Linke in einem einig: Es gibt nichts schlimmeres als Burschenschaften in Marburg und sie zu bekämpfen ist Ehrensache. Burschen sind in Marburg unbeliebt, alles andere als eine Majorität und deshalb zum Abschuss freigegeben. Davon zeugen die regelmäßigen Rituale, nämlich die linksdeutsche Gemeinde aus niederen Gründen regelmäßig durch die Straßen Marburgs ziehen zu lassen, um manchmal in Party- und nicht selten in Pogromstimmung Sturm auf die nächstgelegene Burschenschaft zu laufen, um mit Farbbeutel und linksdeutschem Gegröle in Scheinradikalismus aufzugehen und die eigene unterdrückte schwulenfeindliche Gesinnung zum Ausdruck zu bringen, wenn Sprüche wie „Wir lieben Schwänze“ an Burschen-Häuser im Schutz des militanten Mobs gesprüht werden.

Ungewollt drängt sich dabei die Frage auf, woher diese Fixierung auf das zugleich ekelerregende und, gewiss verdrängt, das begehrte Objekt Bursche herrührt, woher die Hassliebe auf Burschenschafter kommt und wie es sein kann, dass Burschen dem Wahnsinn von Psychotikern gleichend zwanghaft bekämpft werden müssen. Die Obsession verrät mehr über das Seelenleben des Verfolgers – dem ideellen Durchschnittslinken – als über desavouierte Burschen im Trachtenanzug von vorvorgestern, die sich durch ihren Auftritt unbeholfen jedem in Marburg, der nicht wahnsinnig geworden ist, der Lächerlichkeit preisgeben. Wer mag schon diese Burschen, wenn nicht insgeheim die Marburger Antifa?

Alle Zitate sind dem Blog http://www.lisa2.blogsport.de entnommen.

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Über die Marburger Toten

20 Okt

„Kein schöner Ding ist auf der Welt,
Als seine Feinde zu beißen,
Als über all die plumpen Geselln
Seine lustigen Witze zu reißen.“

(Georg Weerth)

Seit Dawn of the Dead (1978) weiß man: „Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück“. Und seit Sibylle Lacan, Tochter des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan, weiß man auch:“Man darf die Toten nicht zu sehr allein lassen“. Und wie Recht sie hatte: Die Toten wurden in Marburg zulange alleine gelassen. In der  mehrmonatigen Unterbrechung buhlte im Kampf der politisch korrekten Geisteselite in Marburg nämlich die Antifa-Mackerin, die PoC-Groupie, die FFLL-Kampflesbe und der SDS-Antirassist ebenso um die Aufmerksamkeit der Marburger Zustände wie die restlichen verbliebenen Insassen der Marburger linksradikalen Szene. Daher kehrt Marburger Zustände  in noch nie gekannter Form zurück, um über das Jahr danach, das Jahr nach der Erstürmung einer ideologiekritischen Veranstaltung am Abend des 27.06.2011, zu reflektieren und gegen die Marburger Zustände nochmals in abschließender Form zu polemisieren. In den kommenden Wochen werden daher in kleinen Formen, wie etwa Anekdoten, Denkzettel und Aphorismen zu Themen wie Szenemoral, kollektive Infantilisierung, Antifaschismus als Bückware, Mumia Abu-Jamal, und vieles andere veröffentlicht werden. Veröffentlichungswünsche werden ab sofort über die bekannten Kontaktmöglichkeiten angenommen.

Lesetipp

7 Jun

Im Austausch mit nichtidentisches ist folgender Artikel entstanden, der zum Lesen empfohlen sei.

Alles freigeräumt. Freiheit und Sicherheit im linken Haus

Raum steht fest

10 Mai

Die Veranstaltung „Ein Volk, ein Reich, eine Familie“ mit Carl Wiemer findet im Raum G00039 in der Philosophischen Fakultät statt.