Gestammel eines Besserwissers

6 Okt

Marburg lässt nicht locker. Hör mir uff mit Kritik Teil 2

 Nachdem die vergangenen Wochen und Monate trügerische Ruhe in Marburg suggerierten, geht es weiter. Denn die Marburger Linke, allen voran ihre peinliche Vorhut – die Linksradikalen – lassen nicht locker.

 Felix B. (1) , so der Name eines Protagonisten der Saalerstürmung vom 27.06.11, ist sich nicht schade dafür nachträglich seine Tat zu rationalisieren. Der antirassistische Besserwisser aus Marburg – dabei nur Produzent unbegabten Radiojournalismus – schafft es nicht nur in acht Minuten Dummdeutsch, Zitatenfälschungen, Unterstellungen, nervigen Versprechern und schlichter vermeintlicher Beweisführung, das in vermeintlicher Sachlichkeit in dritter Person und einer als „Lesart“ getarnten antirassistischen Gesinnung daherkommt, die Zuhörerschaft von seinem Unvermögen zur Kritik zu langweilen.

Der selbsternannte Linksradikale gibt Anweisungen zur Linientreue, einst reinster Stalinismus genannt, an seine Zuhörer. So distanziere sich Thomas Maul nicht von Rechtspopulisten und befördere damit die rassistischen Diskurse. Jene Diskurse werden als Axiome als gegeben vorausgesetzt, was Thomas Maul mit Rechtspopulisten zu tun hat und wiefern er denn „rassistische Diskurse“ befördere wird unterschlagen. (2)

In einem im Juli 2011 verteilten und hier nachzulesenden Flugblatt heißt es:

 „In allem, jedem und überall sieht die Marburger Linke Rassismus und Sexismus lauern – „sie leidet an Verfolgungswahn, der in Verfolgerwahn umschlägt“ (Marquard 1991: 121).“

Schließlich pflegte schon Sigmund Freud über den Wahn zu sagen: „Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt“. Einblicke in den Wahn des Herrn B. offenbaren folgende zwei transkribierte Zitate – die es in sich haben und für eine vernichtende Kritik mehr als ausreichend sind. Sie sollen dem interessierten Leser nicht vorenthalten werden:

 1)

Auch wenn der Rassismusvorwurf in der Diskussion gerade überlagert geht Maul eben nicht zimperlich mit Feministinnen um und will einfach nicht begreifen das eine egalitäre feministische Praxis auch dem Verzicht auf seine patriarchalen Privilegien bedeuten kann.“ ( O-Ton Felix B.) (Hervorhebung durch Marburger Zustände) (3)

Einen zimperlichen Umgang mit Frauen pflegen in der Regel Männer, die im weiblichen Geschlecht unisono das schwächere, ergo zimperliche Geschlecht erkennen. Was als eine Forderung nach einem egalitären Feminismus daherkommt entpuppt sich als ein Sexismus in Reinform. Warum sollten nämlich Feministinnen zimperlich behandelt werden? Gibt es dafür nachvollziehbare Gründe? Eben nicht. Darum hat sich die Schärfe einer Kritik nicht nach dem anatomischen Geschlechterunterschied zu richten. Kritik hat weder zimperlich noch rücksichtsvoll zu sein, und schon gar nicht konstruktiv wie im Havanna 8 verlangt wird, sondern in bester Absicht nach Marx eine vernichtende Kritik zu sein, die ihren Gegenstand der Unwahrheit überführt.

2)

Jedem emanzipatorisch gesinnten Menschen blutet das Herz wenn er oder sie jemandem den Raum nimmt sich zu äußern. Dennoch scheint es geboten die Diskurse, die entstehen, zu gefährlich werden, diesen Raum zu nehmen. Thomas Maul beschwört einen schmalen Grad zwischen aufgeklärter Islamkritik und Hetze. Gleichzeitig spielt er mit den Grenzen dieser Kritik und auch der den Grenzen des Erlaubten. Linksradikale erlauben nicht das diese Grenze überschritten wird wenn sie es denn können.“ (O-Ton Felix B.) (Hervorhebung durch Marburger Zustände) (4)

Im Brustton der Überzeugung ( by the way: ist das nicht ein von Ihnen als „patriarchales Privileg“ denunziertes Verhalten?) führt sich dieser pubertäre Frauen- und Dorfschützer so auf, als hätte er nicht einmal den Text „Hör mir uff mit Kritik“ gelesen, geschweige denn einen Einführungstext in die Faschismustheorie studiert (5). Faschistische Intervention ist für zu kurz gekommene Linksradikale in Marburg offensichtlich eine Perspektive. Denn schließlich verlangt der Faschismus immer nach einem Opfer: In diesem Fall lässt Felix B. sein Herz bluten. So bliebe nur noch zu klären, ob er sich damit für ein Stelldichein bei den al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden bewerben will. Any more questions?

(1) Der vollständige Name findet darum Erwähnung, weil die betreffende Person mit diesem Namen bei radio unerhört marburg auf Sendung geht. (Änderung vom 05.07.2013: Auf Wunsch des im Text Kritisierten wird der Nachname gekürzt.)

(2) Bei aller Kritik muss Felix B.  im Gegensatz zu anderen Akteuren der linksradikalen Szene in Marburg zu Gute gehalten werden, dass er zumindest ein Tatmotiv liefert und nicht wie seine Genossen den Weg des Schweigens geht.

(3) http://www.freie-radios.net/43322

(4) ebd.

(5) Bedingt brauchbar: Reinhard Kühnl. Faschismustheorien. 1990. Besser: Stanley Payne. Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung. 2001

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8 Antworten to “Gestammel eines Besserwissers”

  1. Blumfeld, Junggeselle Oktober 6, 2011 um 5:26 pm #

    Aha, die Kritik möchte also vernichten. Hat das Wort „vernichten“ denn nicht etwa eine spezifisch deutsche Vorgeschichte, die zu vergessen jeden emanzipatorischen Ansprüch untergräbt? Ist da die eigene Barbarei vielleicht nicht ganz aufgearbeitet? Oder ist das eine Frage des Standpunkts, wer vernichten darf? Aber die Standpunkttheorie ist ja nun partikularstisch und damit barbarisch. Wie auch sonst recht vieles.

    • marburgerzustaende Oktober 6, 2011 um 5:57 pm #

      „Kritik hat (…) in bester Absicht nach Marx eine vernichtende Kritik zu sein, die ihren Gegenstand der Unwahrheit überführt.“

      Im Original bei Marx dazu:

      „Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings! Sie stehn unter dem Niveau der Geschichte, sie sind unter aller Kritik, aber sie bleiben ein Gegenstand der Kritik, wie der Verbrecher, der unter dem Niveau der Humanität steht, ein Gegenstand des Scharfrichters bleibt. Mit ihnen im Kampf ist die Kritik keine Leidenschaft des Kopfs, sie ist der Kopf der Leidenschaft. Sie ist kein anatomisches Messer, sie ist eine Waffe. Ihr Gegenstand ist ihr Feind, den sie nicht widerlegen, sondern vernichten will. Denn der Geist jener Zustände ist widerlegt. An und für sich sind sie keine denkwürdigen Objekte, sondern ebenso verächtliche, als verachtete Existenzen. Die Kritik für sich bedarf nicht der Selbstverständigung mit diesem Gegenstand, denn sie ist mit ihm im reinen. Sie gibt sich nicht mehr als Selbstzweck, sondern nur noch als Mittel. Ihr wesentliches Pathos ist die Indignation, ihre wesentliche Arbeit die Denunziation.“
      (MEW Bd.1: 380)

      Wer lesen und mitdenken kann, ist klar im Vorteil.
      Ihre Bemühung, den Kritiker und Polemiker Karl Marx „sprachkritisch“ in die Nähe des NS-Jargons zu rücken, spricht nicht gerade für Sie, Verehrter.
      Dennoch ist Ihr Hinweis nicht verkehrt, wäre er in aufhebender Absicht formuliert. So verkümmert es nur zu einem Jargon, dessen Urheber, Sie, erst einmal nachweisen müssten, dass der Terminus „vernichten“ tatsächlich der Sprache des Nationalsozialismus entstammt. Solange hat Kritik vernichtend zu sein.

  2. ex-marburger Oktober 7, 2011 um 12:29 am #

    Herrlich! Weiter so!

  3. Blumfeld, Junggeselle Oktober 7, 2011 um 10:33 am #

    „Jeder Begriff hat seine Geschichte und seine Bedeutung. So auch „Vernichtung“. Mit dem Begriff ist eine historische Erfahrung verknüpft und jede [!] Begriffsnutzung dieser Art weckt Assoziationen auf, die in keiner Weise [!] akzeptabel sind, insbesondere dann nicht, wenn sie unbegründet und falsch ist. Maul hegt keine „Vernichtungsabsichten“ und wer davon spricht, muss sich allen ernstes die Frage gefallen lassen, ob die Absicht der Diskussion Diffamierung und Schlecht-Reden ist.“
    (Quelle: Stellungnahme des Vorbereitungskreises der Veranstalungsreihe „Islam, Islamismus und die Linke“)

    Und nenn mich nicht deinen Lieben. Ich möchte dich nicht mal kennen.

    • marburgerzustaende Oktober 7, 2011 um 12:21 pm #

      1. Zitieren Sie vollständig.
      2. Reißen Sie ein Zitat nicht aus seinem Zusammenhang. Ohne ihn ist jedes Zitat nichts wert.
      3. Sie schreiben auf dem Blog Marburger Zustände. Marburger Zustände ist nicht verantwortlich für Zitate Dritter. Ein Zitat des Vorbereitungskreises bleibt immer noch ein Zitat des Vorbereitungskreises und ist noch lange nicht ein von mir verlangter Nachweis, dass „vernichten“ der Sprache des Nationalsozialismus entstammt.
      4. Wenn Sie diese Minimalregeln einhalten, ist es auch wert mit Ihnen zu diskutieren.
      Danke.

  4. dwight frye Oktober 9, 2011 um 7:45 pm #

    Wo wir grad bei „spezifisch deutsche Vorgeschichte“ sind: geht es in dem zitat nicht um den damaligen, spezifisch deutschen, anachronistischen status quo, der außerhalb deutschlands praktisch bereits widerlegt und mit dem man als theoretische kritik bereits im reinen war, so dass der kritik eben nur noch indignation und denunziation blieben?
    diesen situationsabhängigen kritikbegriff kann man nicht gegen alles mögliche in anschlag bringen, sondern nur wenn der gegenstand der kritik ‚von gestern ist‘ (im ‚kapital‘ fordert marx demenstprechend, dass man über diese „Art von Kritik, welche die Gegenwart zu be- und verurteilen, aber nicht zu begreifen weiß“, hinausgehen muss).

    so dumm (nicht nur) der marburger linksfeminismus mit seinen inflationären sexismusvorwürfen auch ist, kann man doch nicht ernsthaft behaupten, der feminismus sei insgesamt von gestern. auch wenn es stimmt, dass der „ökonomische Prozess unendlich mehr zur Gleichheit der Geschlechter [beiträgt] als der genitalzonenfixierte Karneval der Identitäten“ (gruppe morgenthau), bleibt ja immer noch die politische sphäre, die zwar auf die logik des ökonomischen prozesses verwiesen ist, aber nicht in ihr aufgeht.
    die verbindung von kapitalismus,politik, nation und sexismus ist zwar nicht so wie joachim hirsch sich das vorstellt, nämlich dass die „in der kapitalistischen politischen Form enthaltene Trennung von Staat und Gesellschaft bedeutet, dass der Staat nicht allein auf dem Klassenverhältnis, sondern auch auf dem durch Ausbeutung und Unterdrückung gekennzeichneten Geschlechterverhältnis beruht und dieses in seinen Institutionen ausdrückt“, weil die „mit dem Geschlechterverhältnis verbundene Form der Arbeitsteilung – Lohn- und Hausarbeit – grundlegend für den kapitalistischen Verwertungs- und Akkumulationsprozess ist“ (hirsch 2005, 69).
    vielmehr „ist nicht einzusehen, warum das Geschlecht eine konstitutive Bedeutung für den Kapitalismus haben muss: ‚Hypothetisch denkbar wären auch gesellschaftliche Kräfteverhältnisse, aufgrund derer weitaus mehr Elemente der Reproduktion als gegenwärtig aus gegen Lohn erworbenen Gütern und Dienstleistungen bestehen, ebenso wie eine Verallgemeinerung der Lebensform der Wohngemeinschaften und die ‚Abschaffung der Hausfrau‘ politökonomisch nichts am zentralen kapitalistischen Ausbeutungsverhältnis ändern würde'“ (ellmers 2007, 42). mit der grundlegenden bedeutung der hausfrauenarbeit für den kapitalismus ist es also nichts. das theorem, alle herrschaftsverhältnisse der gesellschaft drückten sich einfach so im staat aus, ist sowieso schwach.
    mit thomas haury bleibt aber noch folgendes: „Da die Gemeinschaftsvorstellung von der modernen Gesellschaft beständig dementiert wird, bleibt (…) kaum ein anderer Weg, als die ‚Nation‘ selbst wie auch die sichere Zugehörigkeit zu ihr vor aller Gesellschaftlichkeit und damit in der Natur unverbrüchlich zu verankern. (…) Diese wie genau oder diffus auch immer gefaßte naturhafte Verankerung der Existenz der Wir-Gemeinschaft und der (Nicht-)Zugehörigkeit zu ihr begründet die konstitutive Nähe und Tendenz der Gemeinschaftsvorstellung ‚Nation‘ zu biologisch-rassistischen“ und, wie man ergänzen könnte, auch sexistischen „Vorstellungen“ (haury 2002, 57f).

  5. Happ November 12, 2011 um 6:02 pm #

    Euer Kritikbegriff ist geradezu erbärmlich verengt.

    War etwa die Marxsche Kritik der Politischen Ökonomie auf vernichtung der Politischen Ökonomie aus? Nein, sie war auf die vernichtung des Kapitalismus aus. Die politische Ökonomie aber, der eigentliche Gegenstand dieser Kritik, wurde bei aller Kritik, doch auch mit Respekt vor ihren Begründern diskutiert.

    Und erst Kant mit seinen drei Kritiken: Die reine Vernunft, die praktische Vernunft, die Urteilskraft, waren nach Kant die drei Hauptformen der Vernunft. Wollte Kant alle Formen der vernunft mit seiner Kritik vernichten, und so einen Irrationalismus begründen? Wohl kaum…

    Für eine allererste Begriffsklärung empfehle ich euch http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik .
    Diese Seite gibt aber nur einen ersten Grundbegriff. Um ernstzunehmend auf dem Niveau zu argumentieren, das ihr euch selbst zuschreibt, ist ein bißchen Lektüre zur Methode der Kritischen Theorie schon notwendig. Gerade, wenn ihr beabsichtigt, vielleicht auch so schwierige Begriffe wie „Ideologiekritik“ zu verwenden.

  6. marburgerzustaende November 15, 2011 um 9:56 pm #

    „Euer Kritikbegriff ist geradezu erbärmlich verengt.“

    An keiner Stelle hat auch irgendwer beansprucht großartige Begriffsarbeit zu leisten. Wäre dem so, dann dürftest du auch eingreifen und einem solchen Anspruch etwas vernünftiges entgegensetzen. Solange bleibt dein Kommentar nur ein Kommentar.

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